Dieter heute
Der Mensch hinter den Akten
Seit Ende 1987 lebt Dieter Riechmann in Haft. Gerichtsakten dokumentieren Verfahren, Anträge und Entscheidungen – aber nur wenig über den Menschen, dessen Leben sich seit Jahrzehnten hinter Gefängnismauern abspielt.
In persönlichen Nachrichten berichtet Riechmann von seinem heutigen Alltag, seiner Arbeit mit Büchern, seiner Neugier auf Wissenschaft und neue Entwicklungen, Erinnerungen an ein früheres Leben voller Reisen und seinen Gedanken darüber, wie ein Leben in Freiheit noch aussehen könnte.
Die folgenden Einblicke beruhen auf Riechmanns eigener Darstellung in persönlichen Nachrichten aus den Jahren 2025 und 2026.
Zeit in Haft
Fast vier Jahrzehnte hinter Mauern
Als Dieter Riechmann Ende 2025 Weihnachtsgrüße schrieb, erwähnte er beiläufig, dass es sein 39. Weihnachten in Gefangenschaft sei. Einige Monate später schrieb er, er könne selbst kaum glauben, inzwischen fast vier Jahrzehnte in Haft zu sein.
Solche Sätze machen eine Zeitspanne greifbarer, die in Gerichtsakten vor allem als Folge von Jahreszahlen erscheint. Seit seiner Inhaftierung Ende der 1980er-Jahre haben sich Gesellschaft, Technik und Kommunikationsformen grundlegend verändert. Riechmann versucht nach eigener Darstellung dennoch, Entwicklungen außerhalb des Gefängnisses zu verfolgen – durch Bücher, Nachrichten, Medien und inzwischen auch Podcasts.
In seinen Nachrichten erscheint diese lange Zeit nicht als abstrakte Zahl, sondern in kleinen Bezugspunkten: wiederkehrenden Feiertagen, der Arbeit in der Bibliothek, gelesenen Büchern und dem Bemühen, mit Veränderungen außerhalb der Haftanstalt Schritt zu halten. Die Seite beschreibt damit keine unabhängige Bewertung seiner persönlichen Situation. Sie hält fest, wie Riechmann selbst seinen Alltag und die Dauer seiner Haft in den freigegebenen Nachrichten schildert.
Seit 2018
Arbeit zwischen Tausenden von Büchern
Seit 2018 arbeitet Dieter Riechmann nach eigener Darstellung in der Gefängnisbibliothek. Ende 2025 beschrieb er dort einen Bestand von ungefähr 5.000 Büchern sowie Zeitschriften und Tageszeitungen.
Seine Aufgabe besteht nicht nur darin, Bücher auszugeben. In einer Nachricht vom September 2026 beschreibt er, wie er andere Gefangene bei der Auswahl berät, beschädigte Bücher repariert, die Registratur pflegt und wenig nachgefragten Lesestoff aus den Regalen nimmt, um Platz für andere Titel zu schaffen.
Die Arbeit scheint für ihn mehr als eine bloße Beschäftigung zu sein. In einer früheren Nachricht bezeichnete er sie selbst als einen „feinen Job“ und schrieb, dass ihm die Tätigkeit gefalle.
Seine Schilderungen legen den Schwerpunkt dabei auf die praktische Arbeit mit dem Bestand: Ordnung halten, vorhandene Bücher nutzbar machen und Leserinnen und Lesern bei der Suche helfen. Wie jede persönliche Nachricht beschreibt auch diese Passage seinen eigenen Blick auf den Alltag in der Bibliothek.
„Ein feiner Job, mir gefällt’s.“
Alltag in Haft
Ein typischer Werktag
Wie sein Alltag konkret aussieht, beschrieb Riechmann in einer persönlichen Nachricht vom 05.01.2026. Die Zeiten sind seine eigene Momentaufnahme und können sich durch organisatorische Vorgaben der Einrichtung verändern.
Wecken
Frühstück
Bibliothek
Mittagessen
Bibliothek
Abendessen
Lesen und Schach
Nach seiner Beschreibung vom Januar 2026 bestand Gelegenheit zum Hofgang vor allem am Wochenende. Zeiten und Abläufe innerhalb der Einrichtung können sich ändern.
Ruhe statt Fernsehen
Auch außerhalb seiner Arbeit beschreibt Riechmann seinen Alltag eher ruhig. Fernsehen spiele für ihn kaum eine Rolle. Nach der Bibliothek ziehe er sich meist zurück, lese oder spiele eine Partie Schach auf seinem Tablet.
Besonders häufig beschäftigt er sich nach eigener Darstellung mit juristischen Texten. Er begründet das damit, bei neuen Entscheidungen und Entwicklungen der Rechtsprechung auf dem Laufenden bleiben zu wollen. Schach ist dabei keine völlig neue Beschäftigung: Auch aus Unterlagen zu seinem früheren Leben ist bekannt, dass das Spiel schon lange zu seinen Interessen gehörte.
Lesen und Wissen
Bücher als Fenster zur Welt
Bücher begleiten Riechmann nach eigener Darstellung schon seit seiner Jugend. Er beschreibt, wie er in den 1950er-Jahren in Büchern ferne Länder, Menschen und andere Lebenswelten entdeckte, lange bevor er selbst begann zu reisen.
„Meine Bücher breiteten die Welt vor mir aus, und ich reiste in Gedanken überall hin.“
Heute liest er nach eigener Darstellung überwiegend wissenschaftliche Literatur und Sachbücher und nur gelegentlich einen Roman. Seine zuletzt genannten Bücher reichen von Physik und Kosmologie über Biologie bis zu Zukunftsforschung.
In seiner persönlichen Leseliste finden sich unter anderem Stephen Hawking, Michio Kaku, Brian Greene, David Deutsch und Ray Kurzweil. Daneben nennt er Werke zu Biologie und anderen naturwissenschaftlichen Themen.
Wissen außerhalb der Mauern
Neugierig auf eine Welt, die sich weiterdreht
Seine Interessen beschränken sich nicht auf Bücher aus vergangenen Jahrzehnten. Riechmann versucht nach eigener Darstellung auch aktuelle gesellschaftliche und technische Entwicklungen mitzuverfolgen.
Im April 2026 schrieb er beispielsweise über die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz. Über Medien und Podcasts bekomme er die Diskussion zumindest als Zuschauer mit. Für seine Haltung dazu fand er selbst ein knappes Wort: „wissenshungrig“.
„Ich bin wissenshungrig.“
Die Bemerkung passt zu seiner heutigen Lektüre: Physik, Kosmologie, Naturwissenschaften und die Frage, wie sich Technologie und Gesellschaft weiterentwickeln, gehören zu den Themen, mit denen er sich beschäftigt.
Leben vor der Haft
Bevor die Welt klein wurde
Lange bevor sein Bewegungsradius von einer Haftanstalt bestimmt wurde, spielte Reisen eine große Rolle in Riechmanns Leben.
Nach eigener Darstellung arbeitete er ungefähr von 1961 bis 1966 als Steward auf Handelsschiffen. Dadurch kam er in zahlreiche Hafenstädte in Europa, Afrika, Asien und im Nahen Osten. Er erinnert sich unter anderem an Bangkok, Singapur, Hongkong, Kapstadt, Dakar, Alexandria, Beirut, Rotterdam und Stockholm.
Zusammen mit späteren privaten Reisen schätzt er selbst, im Laufe seines Lebens rund 40 Länder besucht zu haben. Diese Zahl ist seine eigene Schätzung.
Auch die USA kannte er bereits vor dem späteren Strafverfahren aus einer ganz anderen Perspektive. 1986 reiste er nach eigener Erinnerung zweimal für jeweils ungefähr zwei Monate mit seiner damaligen Partnerin durch das Land.
Sie hätten im Wesentlichen nur Flüge und Mietwagen geplant und seien ansonsten oft ohne festes Ziel über Highways und Nebenstraßen gefahren. Wenn ihnen ein Ort gefiel, seien sie einige Tage geblieben. In seinen Erinnerungen nennt er unter anderem Las Vegas, Memphis, den Grand Canyon und Key West. Er beschreibt sich rückblickend für diese Zeit als begeisterten USA-Reisenden.
Gedanken an die Zukunft
Wie könnte ein Leben in Freiheit aussehen?
Nach fast vier Jahrzehnten Haft ist die Vorstellung eines Lebens außerhalb des Gefängnisses für Riechmann zwangsläufig mit vielen offenen Fragen verbunden.
In einer Nachricht vom Mai 2026 schilderte er einen ruhigen, arbeitsfreien Sonntag, an dem er versuchte, sich vorzustellen, wie ein solches Leben aussehen könnte.
Er dachte an Hamburg, daran, ob er noch einmal einen Hund haben möchte, und an die Frage, ob Deutschland nach so langer Zeit überhaupt noch der Ort wäre, an den er zurückkehren wollte – oder ob er vielleicht anderswo leben würde.
Dabei macht er selbst eine wichtige Einschränkung: Das seien keine konkreten Pläne. Er wisse nicht, was kommen werde. Es seien Gedanken, Vermutungen und „Träume“ über eine mögliche Zukunft.
Eine seiner konkreteren Vorstellungen betrifft ausgerechnet wieder Bücher. Im September 2026 schrieb Riechmann, dass er sich darauf freue, eines Tages auch Literatur lesen zu können, die ihm heute nicht zur Verfügung steht. Einen vollgeladenen Kindle bezeichnete er scherzhaft als seinen möglichen „neuen Freund“.
Die persönlichen Angaben auf dieser Seite stammen überwiegend aus Nachrichten Dieter Riechmanns aus den Jahren 2025 und 2026. Sie geben seine eigene Darstellung seines Alltags, seiner Erinnerungen und seiner Interessen wieder. Riechmann hat die Verwendung seiner Nachrichten für diese Seite ausdrücklich gestattet.
Direkte Zitate wurden für die Lesbarkeit ausschließlich orthografisch und bei der Zeichensetzung behutsam normalisiert. Inhaltliche Aussagen wurden dadurch nicht verändert.